Foto: Gunzenhausen Färberturm mit Weißenburger Straße
Heinrich Stark 1876 | Quelle: Stadtarchiv Gunzenhausen
Johann Reichardt - Heilpraktiker und Goldmacher | © Stadtarchiv-Gunzenhausen
Notgeld der Stadt Gunzenhausen - 1 Million Mark

Gunzenhäuser Street Art Festival

von Manuel Grosser

Bild: Gunzenhäuser Street Art Festival

Während Kunst im klassischen Sinne ein Stück Ewigkeit repräsentiert, wird das Konzept des Street Arts von der Vergänglichkeit angetrieben. Geschichte ist permanent in Bewegung und so verändern sich auch Street Art-Kunstwerke - einem lebendigen Organismus gleich - bis hin zur vollständigen Auflösung. Die oftmals mit optischen Effekten versehenen Bilder entstehen in der Regel draußen, auf dem Asphalt, auf der Straße, eher seltener an Wänden oder auf groben Pflastersteinen. Manche Werke wirken lebensecht, sind riesig dimensioniert und lassen sich nur von einem bestimmten Punkt aus überhaupt als zusammenhängende Komposition erkennen. Solche spannenden Bilder können momentan in der Gunzenhäuser Innenstadt bewundert werden. Sie sind das Ergebnis des Street Art Festivals, bei dem international-angesagte Künstlerinnen und Künstler Spuren hinterlassen haben.

 

„Gunzenhausen feiert gerade Kunstwochen“, lacht Jeanette Holzschuh vom Stadtmarketing Gunzenhausen e.V., der das Street Art Festival zusammen mit der Stadt Gunzenhausen veranstaltet hat. „Erst der Skulpturenweg, dann die Einweihung des Jubiläumskunstwerks im Rathausfoyer – da dürfte für jedes Auge etwas dabei gewesen sein. Street Art ist natürlich etwas ganz Besonders, denn es gibt weltweit nur eine Handvoll ernstzunehmender Künstlerinnen und Künstler. Einige der Talentiertesten durften wir in der Gunzenhäuser Innenstadt bei ihrer Arbeit beobachten.“

 

Street Art, das ist auch die Frage nach der Existenz von Wirklichkeit. Geben die Motive die Realität wieder, oder sehen wir frei nach Gilles Deleuze in erster Linie eine philosophische Interpretation, losgelöst von Raum und Zeit? Street Art löst nach dieser Logik eine Gedankenbewegung aus, Betrachterinnen und Betrachter spinnen sich ihre eigenen Geschichten um das jeweilige Bild. Street Art wäre damit eine moderne Weiterentwicklung von Kunst, quasi Neo-Art.

 

„Die Bilder sind wunderschön, die dahinter versteckten Geschichten allerdings noch besser“, erklärt Matthias Hörr von der städtischen Wirtschaftsförderung. Während die künstlerische Leitung des Street Art Festivals, die Deutsche Fredda Wouters, den Abgang zu einem „Blaskeller“ als Gegenstück zum Blasturm malte, beschäftigte sich beispielsweise der Argentinier Eduardo Relero mit der prähistorischen Frühgeschichte. Historisch nicht ganz korrekt, schickt das weibliche Familienoberhaupt den Mann zum Dinojagen, der Kochtopf ist nämlich leer.

 

Die Belgierin Sonja Mazereel setzte sich mit der digitalen Transformation auseinander und interpretierte in ihrem „QR-Code-Zebra“-Bild den Einfluss virtueller Momente in das tägliche Leben. Vera Bugatti aus Italien ließ die Puppen tanzen und malte ein eindrucksvolles Marionettenspiel. Der fünfte Künstler Cuboliquido kommt ebenfalls aus Italien und präsentierte eine Flohmarktsituation, in der ein älterer Herr u.a. selbstgebaute Roboter verkauft, ein Hinweis darauf, dass Technik immer menschengemacht ist.

 

„Die Künstlerinnen und Künstler haben beeindruckende Kunstwerke auf den Boden gezaubert“, so Erster Bürgermeister Karl-Heinz Fitz. „Die Bilder werden bis zu einem Jahr zu sehen sein und können rund um die Uhr barrierefrei und kostenlos besichtigt werden. Die Stärke der Stadt Gunzenhausen ist ihre Vielfalt, und das Street Art Festival hat dies wieder einmal eindrucksvoll bewiesen.“

 

Umrahmt wurde das Street Art Festival von zahlreichen Walking Acts und Musikbeiträgen. So begeisterte „Bastians Gärtnerei“ Groß und Klein mit pantomimischem Schauspiel, „Die lebende Musikbox“ war ein Fest der Töne und das „Stelzentheater Circolo“ ein neonbuntes Farbenevent. „Das Street Art Festival war ein Fest für die ganze Familie“, betont Jeanette Holzschuh. „Wer weiß, vielleicht gibt es eine Fortsetzung des Events im nächsten Jahr.“     

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